Song „VIP in der Psychiatrie“ stigmatisiert und verletzt

Deutschland diskutiert über das Ballermann-Liedchen Layla. Dabei gibt es noch viel beleidigendere Lieder gibt. So wie, den beim „Das Fest“ in Karlruhe aufgeführten Beitrag „VIP in der Psychiatrie“. Text und insbesondere das dazugehörige Video sind grob menschenverachtend und beleidigend für Millionen von Menschen mit psychischen Krisen. Unsere Vorständin Carina Kebbel hat dazu einen offenen Brief an den Veranstalter des „Das Fest“ und den Bürgermeister von Karlsruhe geschrieben, den wir hier veröffentlichen wollen. Unten im Text verlinken wir auf dieses verstörende Lied in Youtube.

Karlsruhe, den 24.07.2022


Sehr geehrte Geschäftsführung der Karlsruhe Marketing und Event GmbH,
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Mentrup,
Sehr geehrte Leitung des Stadtjugendausschusses,


seit vielen Jahren besuche ich mit großer Begeisterung immer wieder „das Fest“ hier in Karlsruhe – gemeinsam mit Freund*innen und Familienmitgliedern. Ich hatte mich sehr gefreut, dass nun nach der Corona-Pause wieder ein richtiges Fest stattfinden kann und habe mir natürlich gleich für alle vier Tage Karten gekauft.

Der Auftritt von Jan Delay gestern hat eine wunderschöne Fest-Stimmung gezaubert und es war ein wirklich schöner Abend. Dann aber kamen die „Drunken Masters“ auf die Bühne. Diese begeisterten mich musikalisch wenig, aber bei „das Fest“ muss natürlich ein breiter musikalischer Mix angeboten werden, damit für jede*n etwas dabei sein kann. Als dann jedoch ein Refrain von K.IZ. eingespielt wurde, der lautet „VIP in der Psychiatrie“ war ich einfach fassungslos und fand diesen absolut unmöglich.


Hierzu sollte ich vielleicht ergänzend erklären, dass ich seit 12 Jahren als Sozialarbeiterin im Zentrum für seelische Gesundheit hier in Karlsruhe tätig bin, selbst eine psychische Erkrankung habe und mich aus diesem Grund auch seit einem Jahr ehrenamtlich im LVPEBW e. V. engagiere. Auch eine Freundin, die gestern Abend dabei war, war sichtlich irritiert und unangenehm berührt von dieser Textzeile.


Da ich Dinge gerne genau wissen möchte, bevor ich mir dazu eine Meinung bilde, habe ich dann heute morgen bei Youtube das offizielle Video zu diesem Lied angesehen. Wenn ich dieser Präsentation im Netz glauben darf, dann wurde dieses unmögliche, diskriminierende und verletzende Video von den „Drunken Masters“ produziert.


Bedingt durch meinen beruflichen Zugang sowie meine eigene Betroffenheit, liegt es mir sehr am Herzen, mich für den Abbau bzw. die Reduzierung von Stigmatisierung von Menschen auf Grund einer psychiatrischen Diagnose einzusetzen. Dieses Lied und insbesondere das offizielle Video forcieren meines Erachtens genau diese
Stigmatisierung, indem alle negativen Stereotype bedient und in schockierender Weise dargestellt werden.


Ich halte Grund- und Freiheitsrechte für ein wichtiges Rechtsgut und stehe Einschränkungen in diesem Bereich durchaus auch kritisch gegenüber. Ein solches Lied – und insbesondere ein solches Video – dürften aber meines Erachtens nicht produziert und verbreitet werden.


Hierauf haben Sie als Veranstalter eines Festivals natürlich keinen Einfluss – wohl aber darauf, welche Bands und Gruppen Sie bei „das Fest“ in Karlsruhe einladen und auftreten lassen. Ich möchte Ihnen rückmelden, dass ich es in keiner Weise für angemessen oder vertretbar halte, ein Gruppe wie die „Drunken Masters“ auftreten zu lassen. Ich würde mir wünschen, dass Sie in den nächsten Jahren bei der Planung für „das Fest“ gründlicher recherchieren, wen Sie dort auftreten lassen und Ihre Entscheidung entsprechend reflektieren.

Mit freundlichen Grüßen
Carina Kebbel
Sozialarbeiterin (M.A.)
Dipl.-Soz.Arb. (FH) / Dipl.-Soz.Päd. (FH)
Vorstand des Landesverband Psychiatrie-Erfahrener Baden-Württemberg e.V.

 

Hier der Link zum Video. Bitte beachten: Der Anfang erweckt den Anschein, es handelt sich um eine Dokumentation.